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 chanter avec Bill?(soviel wie: willst du mit bill singen)

Sprachvermittlung mit Tokio Hotel: Mit Texten wie "Durch den Monsun" soll den Franzosen die deutsche Sprache schmackhaft und ihr arg angestaubtes Image aufpoliert werden.


tokio hotel fans

Oouuuiii! - Tokio-Hotel-Fans in Düsseldorf am Roten Teppich zur "Bravo Supershow 2007".
Foto: ddp

Schon seit geraumer Zeit mühen sich Frankreichs Deutschlehrer, denen in den vergangenen Jahren die Schüler scharenweise zum Spanischen überliefen, das arg angestaubte Image des Deutschen durch den Einsatz von Stars der hiesigen Musikindustrie aufzupolieren. Nicht immer ist diesem Unterfangen Erfolg beschieden.

Der Helden-Song "Aurélie" etwa, der die Flirt-Probleme einer Französin in Berlin zum Thema hat und sich deshalb so trefflich für den zeitgemäßen Unterricht zu eignen schien, floppte in Frankreich: Welche junge Französin ließ sich - wie im zugehörigen Video geschehen - schon gern unterstellen, mit ihren Reizen nicht einmal einen biederen Deutschen von seinem Bierkrug weglocken zu können. Außerdem: Judith Holofernes' Aurélie tritt als Blondine auf, ihr "Haar ist Meer und Weizen" - nicht gerade eine Einladung zur Identifikation für Französinnen.

Mittlerweile ist der Negativtrend zumindest gestoppt, die Zahl der Deutsch lernenden Franzosen bleibt konstant. Dieser Kleinsterfolg mag mehrere Ursachen haben: Ein neues Schulgesetz fördert Mehrsprachigkeit und Internationalität im Unterricht; im Deutsch-Mobil der Robert-Bosch-Stiftung touren Lektoren über Land und machen Werbung für Deutschland und seine Sprache; und deutsche Fremdsprachenassistenten versammeln die Collégiens während der Pausen in einem spaßigen "Club allemand" und sind bei der Rekrutierung von Schülern in der Grundschule behilflich. Diese jungen Menschen verkörpern ein anderes Deutschland - lächelnd, dynamisch, zum Feiern aufgelegt.

Im Zustand leichter Verführbarkeit

Seit kurzem gibt es nun weiteren Aufwind - und diesmal kommt er wirklich aus der Musikbranche. Die vier Jungs von Tokio Hotel haben die Herzen der Französinnen im Sturm erobert. Die jüngste Platte "Zimmer 483" kletterte innerhalb einer Woche auf Platz zwei der französischen Charts, die Karten für die Frankreich-Konzerte der Band im Oktober waren innerhalb von 24 Stunden vergriffen. In zahlreichen Blogs gestehen junge Französinnen dem Quartett ihre Liebe und klagen darüber, dass die vier keine Zeit für Freundinnen hätten. In Lille zirkulierte gar eine Petition, in der einige Demoiselles einen Auftritt der Band in ihrer Stadt forderten. Tatsächlich werden nun fünf Tour-Stationen hinzukommen.

Solch ein Trittbrett lässt sich die deutsche Kulturpolitik nicht entgehen. Das Pariser Goethe-Institut hat seine Lehrer mit den Texten von Tokio Hotel versorgt und bereitet sich auf einen Anstieg der Sprachkurs-Nachfrage vor. Die deutsche Botschaft regt an, auf Konzerten der Band für das Deutsche zu werben. Das klingt vielversprechend, nicht nur, weil sich das Publikum nach solchen Konzerten meist in einem Zustand leichter Verführbarkeit befindet.

Die Texte von Bill, Tom, Georg und Gustav sind geradezu prädestiniert für erfolgreiche Sprachvermittlung: "Dann wird alles gut / Wird alles gut / Alles gut", heißt es im Refrain von "Durch den Monsun". Deutsch soll eine schwere Sprache sein? Dieses fatale Argument ist nun endlich widerlegt. Bleibt nur noch die Frage, wie die Botschaft die jungen Messieurs erreichen soll.


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